Unser Schulprogramm beschreibt, wie wir an der Grundschule Wolperath-Schönau lernen, arbeiten und zusammenleben. Es ist die gemeinsame Grundlage für Lehrkräfte, das Team des Offenen Ganztags, Eltern und Kinder.
Auf dem Fundament des christlichen Welt- und Menschenbildes wird die Grundschule Wolperath-Schönau als inklusive Schule, das heißt eine „Schule für alle“, geführt. Sie wird in dem Bewusstsein geführt, dass jedes Kind ein besonderes Kind ist und jedes Kind das Recht auf eine Pädagogik der Vielfalt hat.
Aus der Präambel des Schulprogramms
Inklusiv
Alle sind gleich und alle sind verschieden. Niemand wird ausgeschlossen.
Gemeinsam
Wir beginnen und beenden jede Schulwoche in der ganzen Schulgemeinschaft.
Selbsttätig
Kinder wählen Aufgaben, setzen sich Ziele und lernen im eigenen Tempo.
Im Team
Lehrkräfte, Sonderpädagogik und OGS planen und arbeiten gemeinsam.
Inhalt
- 1. Die Schule
- 2. Inklusives Lehren und Lernen
- 3. Erziehungskultur und Werte
- 4. Team und Zusammenarbeit
- 5. Unterricht
- 6. Unterrichtliche Schwerpunkte
- 7. Förderung
- 8. Offener Ganztag
- 9. Schulentwicklung
- 10. Kooperationspartner
1. Die Schule
Die Grundschule Wolperath-Schönau wurde 2005 gegründet und wird nach dem Willen des Rates der Gemeinde Neunkirchen-Seelscheid als integrative Schule mit Offenem Ganztag geführt. Gestartet ist sie im Schuljahr 2005/06 mit 69 Kindern in drei jahrgangsübergreifenden Klassen in Räumen der Clara-Schumann-Realschule; seit dem Schuljahr 2006/07 ist sie im eigenen Gebäude in Wolperath zu Hause.
Im Einzugsbereich liegen die Kindergärten „Initiative Kindergarten e. V. Pohlhausen“ und „KIWI“ in Wolperath. Bei der räumlichen und materiellen Ausstattung wurden die besonderen Anforderungen einer inklusiv arbeitenden Schule von Anfang an berücksichtigt.
Zahlen aus dem Konzept
- 2005 gegründet, seit 2006 im eigenen Gebäude
- 69 Kinder im Startjahr, rund 180 Kinder zum Stand des Konzepts
- Zweizügigkeit mit etwa 190 bis 200 Kindern als Planungsgröße
- Erste Viertklässler verließen die Schule nach dem Schuljahr 2007/08
2. Zur Idee des inklusiven Lehrens und Lernens
Inklusion bedeutet: Alle sind gleich und alle sind verschieden, keiner wird ausgeschlossen.
Ines Boban und Andreas Hinz, 2004
Grundlage sind die Erklärung der UNESCO-Weltkonferenz von Salamanca (1994) und die UN-Behindertenrechtskonvention von 2006, die seit dem 26. März 2009 auch für Deutschland verbindlich ist. Aus der Idee der Integration ist für uns die Überzeugung gewachsen, dass nur inklusives Lernen und Erziehen eine echte Chance darstellt.
Inklusiv denken heißt für uns
- dass jeder Mensch ein besonderer Mensch ist
- dass jeder Mensch vollwertig ist, unabhängig von gesellschaftlichen Anforderungen
- alle anderen Menschen als Gleichberechtigte anzuerkennen
- das Recht, selbst als Gleichberechtigter anerkannt zu werden
In der Grundschule Wolperath-Schönau verstehen wir Schule als Haus des inklusiven Lebens und Lernens. Eine inklusive Schule zu werden bedeutet, in einen zeitlich unbegrenzten Prozess einzutreten, in dem Rahmenbedingungen immer wieder neu geschaffen und Widerstände beseitigt werden.
3. Erziehungskultur und Werteerziehung
Lernfreude und Lernerfolg werden wesentlich von einer Atmosphäre des eindeutigen und wertschätzenden Miteinanders beeinflusst. Deshalb nehmen wir alle Facetten des Schulalltags in den Blick der Lern- und Erziehungsplanung.
Schülerkonferenz
Jede Woche findet zu einer festgelegten Zeit eine klassenbezogene Konferenz statt. Die Kinder leiten sie in eigener Verantwortung, besprechen Schönes und klären Konflikte. Ziel ist eine demokratische Gesprächskultur.
Schülersprechstunde
Kinder besprechen eigene Anliegen mit ihren Klassenlehrerinnen und Klassenlehrern. Auch Gespräche über den Lernstand oder das Arbeits- und Sozialverhalten finden hier statt.
Unsere Regeln und Rituale
- Wir beginnen und beenden die Schulwoche gemeinsam in der Schulgemeinschaft. Dort werden wichtige Ereignisse besprochen, Gäste begrüßt und Geburtstagskinder gefeiert.
- Beim Betreten der Schule begrüßen wir uns und unsere Gäste.
- In der Schule tragen wir Hausschuhe.
- Wir achten auf eindeutige Regeln des Miteinanders in Form positiver Verhaltensgebote.
- Die Kinder gestalten und pflegen ihr Schulhaus aktiv mit.
4. Teamentwicklung und kooperatives Arbeiten
Präsenzmodell
Das Kollegium verpflichtet sich auf Grundlage einer freiwilligen Vereinbarung zur täglichen Präsenz in der Schule bis 16 Uhr. Diese gemeinsame Arbeitszeit wird für ein festes Besprechungssystem genutzt und ist die Basis für abgestimmtes pädagogisches Arbeiten. An allen Nachmittagen sind wir für die Eltern erreichbar.
Kooperative Planung
Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verstehen sich als ein Schulteam. Zu Beratung und Förderplanung, Unterrichtsplanung, Diagnostik, Festen, Dokumentation und zum Umgang mit Konflikten haben wir gemeinsame Regeln vereinbart. Fort- und Weiterbildung findet extern und durch gegenseitige Qualifizierung im Team statt.
Co-Teaching
Lehrkräfte der allgemeinen Schule, Lehrkräfte für Sonderpädagogik, Schulbegleitungen und weitere Fachkräfte nutzen alle Formen des Co-Teachings. Beim gemeinsamen Unterricht etwa moderiert eine Lehrkraft das Gespräch, während die andere begleitend das Tafelbild entwickelt.
Sozialkonzept und Gesundheit
Zur Mitarbeitergesundheit gehören kollegiale Beratung, gut ausgestattete Arbeitsplätze, ein rücksichtsvoller Umgang im Team, Schulteamsport und die Rhythmisierung des Schulalltags. Kinder unserer Mitarbeitenden können den benachbarten Kindergarten KIWI und die Schulen der Gemeinde besuchen, auch wenn die Familien nicht in Neunkirchen-Seelscheid wohnen.
5. Unterricht – Strukturen und Inhalte
Unser Unterricht steht auf sechs Säulen: Vernetzter Unterricht, Kursunterricht, Fachunterricht, Freie Stillarbeit, Werkstatt-Lernen und Lernen in Projekten. Feste, erkennbare Rituale gelten dabei im Vormittag und im Offenen Ganztag gleichermaßen.
Offener Anfang
Die Klassenräume sind bereits 20 Minuten vor Unterrichtsbeginn geöffnet. Eine erwachsene Person aus dem Schulteam ist immer da.
Wochenbeginn
Tagesaktuelle Themen, soziale Fragen und gemeinsames Singen im Kreis der Schulgemeinschaft.
Wochenabschluss
Kinder präsentieren Arbeitsergebnisse, Geburtstagskinder werden geehrt, ein gemeinsames Lied beschließt die Woche.
Flexible Eingangsstufe (Klassen 1 und 2)
In der flexiblen Eingangsphase lernen die Kinder jahrgangsübergreifend. Vernetzter Unterricht verbindet Themen über Fächergrenzen hinweg; Mathematik, Sport und später Englisch werden fachimmanent unterrichtet. Im Kursunterricht werden in kleinen Gruppen spezielle Themen eingeführt und vertieft. Die Freie Stillarbeit findet als Tagesplan-, Wochenplan- oder Werkstattarbeit statt.
Klassen 3 und 4
Beim Übergang in den Jahrgangsunterricht werden die Kinder besonders eng begleitet, denn die Klassen werden neu zusammengesetzt. Die didaktischen Säulen der Eingangsphase werden fortgesetzt, individuelle Förderung und Differenzierung finden nun klassenbezogen statt. In Mathematik arbeiten die Kinder mit themenbezogenen Kompetenzrastern.
6. Unterrichtliche Schwerpunkte
Leseförderung
Es gibt festgelegte und offene Lesezeiten. Im Offenen Anfang wählen die Kinder Lesestoff und Leseplatz frei, im Leseraum herrscht Ruhe. Im zweiten Schuljahr kommen das Fingeralphabet, Lesetagebuch, Büchereibesuche und die Lese-Schreibwerkstatt dazu. In den Klassen 3 und 4 werden Ganzschriften, Lyrik und Sachtexte vertieft und Ergebnisse präsentiert. Am Ende jedes Schuljahres steht der Stolperwörter-Lesetest.
Ehrenamtliche Lesepatinnen und Lesepaten begleiten die Kinder in der Lesestunde. Die Kooperation entstand mit dem Verein „Freundeskreis Buch und Kunst Neunkirchen-Seelscheid e. V.“ im Rahmen einer Lesenacht.
Mathematik mit Kompetenzrastern
Wir arbeiten mit breiter Differenzierung, mit Erarbeitungsmaterial aus lerntherapeutischen Settings und mit frühen, regelmäßigen Lernstandsüberprüfungen. Alle Kinder lernen Mengenbilder kennen, die im Ginko-Institut Bonn für die Dyskalkulietherapie entwickelt wurden.
Das Material ist günstig, die Kinder besitzen es selbst und können es jederzeit nutzen. Rechenstarke Kinder machen damit ihre Strategien für andere sichtbar, so wird es nicht als Hilfsmittel für schwache Rechner abgewertet. Am Ende jeder KORA-Stufe steht eine Überprüfung, deren Zeitpunkt das Kind selbst bestimmt.
Gesunde Schule – Bewegte Schule
Unterricht und Schulalltag sind im Rhythmus von Spannung und Entspannung gestaltet: Offener Anfang, differenzierte Unterrichtsformen, Bewegungspausen in Klasse und Schulhof, gemeinsames Frühstück, freie und angeleitete Bewegungsangebote in den Pausen sowie eine Sammlungsphase mit meditativer Musik nach jeder Hofpause.
Die Schule erhielt den Schulentwicklungspreis „Gute gesunde Schule“ der Unfallkasse NRW und brachte das Preisgeld in ein Motopädieprojekt ein.
Werkstatt-Lernen
Jeder Freitag ist Projekttag für die ganze Schule. In jahrgangsübergreifenden Gruppen vom 1. bis zum 4. Schuljahr arbeiten die Kinder jeweils über drei Freitage in einer Werkstatt, in frei wählbarer Reihenfolge.
Die Werkstätten „Mathematik“ sowie „Planen, Konstruieren, Bauen“ sind dauerhaft eingerichtet, die übrigen Themen wechseln jährlich. So kommen die Interessen der Kinder und die Stärken der Lehrkräfte zum Tragen.
Lernen in Projekten
In der dritten Schulwoche jedes Jahres lernt die ganze Schulgemeinde im inklusiven Einstiegsprojekt miteinander. Die Schulneulinge werden „gemeinsam in Vielfalt“ willkommen geheißen und lernen die Strukturen und Rituale der Schule kennen. Alle Einstiegsprojekte stehen unter dem Titel „Einheit durch Vielfalt“.
- Ökumenisches Religionsprojekt der vierten Klassen vor dem ersten Advent
- Wirtschaftsprojekt in den Jahrgängen 3 und 4, aufeinander aufbauend
- Jahrgangsübergreifende Theater-AG mit öffentlicher Aufführung
- „Europa macht Schule“ in Kooperation mit der Fachhochschule Köln
- JeKits – Jedem Kind Instrumente, Tanzen, Singen
7. Förderung im Unterricht
Wir hinterfragen und gestalten Unterricht und Erziehung auf Basis des Index für Inklusion. Die individuelle Förderung orientiert sich an Stärken, Begabungen, Lernwegen und Lernausgangslagen ebenso wie an Entwicklungsbeeinträchtigungen und Lernschwierigkeiten. Ziel ist, dass alle Kinder selbstwirksam lernen.
Unterrichtsformen, die zugleich fordern und fördern, sind Tages- und Wochenplanarbeit, Stationenarbeit, projektorientierter Unterricht, der wöchentliche Werkstatttag, gemeinsamer Wochenbeginn und -abschluss, Gesprächskreise, Schülerkonferenzen sowie Partner- und Helfersysteme.
Sonderpädagogische Unterstützung
Im Gemeinsamen Lernen bieten wir Unterstützung in den Bereichen Lernen, emotionale und soziale Entwicklung, geistige Entwicklung, körperliche und motorische Entwicklung sowie Sprache und Kommunikation. Wir verstehen sie als gemeinsam verantwortete Aufgabe aller Lehrkräfte mit dem Ziel, Hindernisse für Lernen und Teilhabe zu beseitigen.
Beratung und Förderplanung
Beobachtungen und Screenings wie MÜSC und BADYS fließen in die förderdiagnostische Betrachtung ein. Die Beratung folgt der Methode der Kooperativen Beratung nach Prof. Dr. Wolfgang Mutzeck und findet in zwei Teilen statt: zuerst im gesamten Stufenteam, danach mit den Fachkräften, die unmittelbar mit dem Kind arbeiten. Moderiert wird sie von der sonderpädagogischen Fachkraft.
Darüber hinaus nutzen wir Beratung für Einzelgespräche mit Kindern, Kolleginnen, Kollegen und Eltern, für kollegiale Beratung im Team, für die Schullaufbahnberatung beim Übergang in die weiterführende Schule, für Coaching, Unterrichtsberatung und Mediation.
8. Offener Ganztag
Die OGS unterstützt den Bildungs- und Erziehungsauftrag der Grundschule. Sie begleitet Kinder zur Selbstständigkeit, entlastet Familien und erleichtert insbesondere Alleinerziehenden die Teilnahme am beruflichen und sozialen Leben. Die Betreuung beginnt morgens um 7 Uhr und endet nachmittags um 17 Uhr, freitags um 16 Uhr.
Die Offene Ganztagsschule an der Grundschule Wolperath-Schönau ist ein Haus des Lernens, Lachens und Lebens – für den ganzen Tag.
Aus dem Schulprogramm
Mehr Zeit für die Kinder
- mehr Zeit zum Lernen und für Hausaufgaben
- mehr Zeit für Förder- und Fordermaßnahmen
- mehr Zeit für soziale Erfahrungen und Gemeinschaftserlebnisse
- mehr Zeit für Bewegung, Spiel und Sport
- mehr Zeit für musisch-kulturelle Bildung
- Zeit und Gelegenheit zum persönlichen Rückzug und Entspannen
Zum Angebot gehören Hausaufgabenbetreuung und Förderung, Sport, Spiel und Bewegung, musische Angebote wie Theater, Tanz, kreatives Gestalten und Töpfern, pädagogisch-therapeutische Maßnahmen, Projekte wie Sozialkompetenz-Trainings sowie Beratung für Eltern. Bindeglied zwischen Schule und OGS ist eine sozialpädagogische Mitarbeiterin, die vormittags die Elementarförderung übernimmt.
9. Projekte der Schul- und Unterrichtsentwicklung
Zielvereinbarungen
Einmal jährlich schauen wir, wenn möglich mit externer Begleitung, auf das vergangene Schuljahr zurück und werten es aus. Daraus entstehen Ziele, Schwerpunkte und Verantwortlichkeiten für das neue Jahr.
Steuergruppe
Die Steuergruppe inklusive Schulentwicklung trifft sich etwa viermal jährlich. Sie besteht aus vier Kindern, zwei Eltern, zwei Lehrkräften, einer Person aus der OGS und der Schulleitung. Die Kinder wählen ihre Vertretung in allgemeiner, freier, geheimer und gleicher Wahl.
Schulentwicklungsteam
Bis zu sechs Personen aus beiden Jahrgangsstufen, der Sonderpädagogik und der Schulleitung treffen sich monatlich und führen die Zielvereinbarungen zusammen.
Ausgezeichnet: „Gesagt. Getan.“
2012 beteiligte sich die Steuergruppe aus Kindern, Eltern, Lehrkräften und OGS erfolgreich an der Ausschreibung „Gesagt. Getan.“ des Förderprogramms „Demokratisch handeln“. Die Jury bescheinigte dem Projekt eine herausragende demokratiepädagogische Qualität. Zwei Kindervertreter stellten es im Landtag vor und interviewten dort die Bildungsministerin.
10. Kooperationspartner
Unsere Arbeit wird durch Kooperationspartner unterstützt und kritisch-konstruktiv begleitet.
- Schulhorizonte (Raimund Patt)
- Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft, Bonn
- Ginko-Institut, Bonn (Lilo Gührs)
- Universität Bonn, Lehrstühle Ladenthin und Piorkowsky
- Universität zu Köln, Humanwissenschaftliche Fakultät, Lernwerkstatt und Lehrstuhl für Erziehungshilfe und sozial-emotionale Entwicklungsförderung
- Schule für alle e. V., Hennef
- NetzwerkE, Bezirksregierung Köln
- Verband Lernen fördern e. V.
Unsere Kooperationspartner im Überblick →
Das vollständige Schulprogramm
Das Kernkonzept mit allen Kapiteln, Grafiken und Quellenangaben als PDF, 26 Seiten, 2 MB, Stand März 2018.
Diese Seite fasst das Kernkonzept des Schulprogramms zusammen. Maßgeblich ist die vollständige Fassung im PDF, Stand März 2018.